Wiederholtes Wiedererkennen

Aus Strafverteidiger-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Obwohl sich alle ernsthaften Beteiligten des Strafverfahrens einig sind, dass das wiederholte Wiedererkennen äußerst Problematisch ist und der Beweiswert zweifelhaft ist. Teils wird vom völligen Fehlen eines Beweiswerts ausgegangen, teilweise von einem sehr beschränkten Beweiswert. Gleichwohl erfreut sich das "Wiederholte Wiedererkennen" bei Instanzrichtern großer Beliebtheit.

Inhaltsverzeichnis

Literatur

  • Altavilla, Forensische Psychologie Bd. I, S. 311 ff.
  • Artkämper, Dr. Heiko (StAGl): "Fehlerquellen bei gegenüberstellung und anderen (Wahls-)Identifizierungsmaßnahmen", StRR 2007, 210, 215
  • Burhoff, Detlef: "Handbuch für das strafrechtliche Ermittlungsverfahren", 6. Auflage 2013, Rn. 1572 ff. (insbes. Rn. 1584)
  • Burhoff, Detlef: "Handbuch für die strafrechtliche Hauptverhandlung", 7. Auflage 2013, Rn. 1534 ff. (insbes. Rn. 1539)
  • Hellwig, Psychologie und Vernehmungstechnik bei Tatbestandsermittlungen, 4. Aufl., S. 129, 130;
  • Schweling, MDR 1969, 177 ff.
  • Steinke, Kriminalistik 1978, 505, 506
  • Nöldeke, NStZ 1982, 194, 195
  • Köhnken, Forensia Bd. 5, 1984, S. 1 ff.
  • Odenthal, NStZ 1985, 433, 435 ff.

Rechtsprechung

LG Köln, Urteil vom 22.05.1990 – 112 – 4/89

Einen Beweiswert hat jeweils nur das erste Wiedererkennen; jedes weitere Wiedererkennen - selbst wenn es im Rahmen einer Gegenüberstellung nach vorheriger Lichtbildvorlage erfolgt (vgl. insofern die Darstellung der empirischen Untersuchungen bei Nöldeke S. 194 und Undeutsch S. 466 f. - jew aaO) - ist für die Überführung eines Tatverdächtigen ohne Bedeutung (BGHSt 16, 204; OLG Karlsruhe aaO, S. 378; Altavilla Forensische Psychologie I, 1958, S. 339; Schweling S. 179; Nöldeke S. 194; Odenthal S. 24 f., 50 f. –[…]). Es ist psychologisch erwiesen, daß sich im Laufe der Zeit verschiedene Informationen in der Erinnerung derart vermengen, daß sie als ein historisches Ereignis erscheinen (Loftus Psychologie heute 4/1975, 21, 24; Undeutsch S. 465; Köhnke S. 6 - jew. aaO). […] Sinn macht eine wiederholte Lichtbildvorlage allenfalls unter dem Gesichtspunkt, daß der Zeuge aufgrund zusätzlicher Informationen von einer früheren Identifizierung abweicht (Nöldeke S. 194; Odenthal S. 87 - jew. aaO; verneinend auch insofern aber Schweling aaO, S. 179).
Ein Fall des wiederholten Wiedererkennens ist auch anzunehmen, wenn der Zeuge zuerst Bilder des Tatverdächtigen in Massenmedien mit der Maßgabe gesehen hat, daß es sich dabei (mutmaßlich) um den Täter handele. Wenn er diese Person dann später im Rahmen einer Gegenüberstellung oder Lichtbildvorlage identifiziert, kann nicht ausgeschlossen werden, daß das soeben beschriebene Phänomen der Verschmelzung Ursache des - vermeintlichen - Wiedererkennens ist (Köhnke S. 6; Odenthal S. 78 - jew. aaO).


Fundstellen: NStZ 1991, 2002
Auf das Urteil verweist auch der BGH (Urteil vom 21.03.1995 – 5 StR 657/94 = StV 1995, 452).


OLG Köln, Beschluss vom 04.08.1992 – Ss 325/92

Da dem erneuten/wiederholten Wiedererkennen wegen der regelmäßig nicht auszuschließenden Möglichkeit einer unbewußten Beeinflussung des Zeugen durch das vorangegangene Wiedererkennen nach anerkannter und richtiger Ansicht im allgemeinen nur ein eingeschränkter Beweiswert zukommt vgl. BGH NStZ 1987, 288 = StV 1987, 235 [BGH 03.02.1987 - 1 StR 644/86]; OLG Köln StV 1986, 12; OLG Frankfurt StV 1988, 10 [OLG Frankfurt am Main 11.09.1987 - 1 Ss 292/87] und 290; OLG Düsseldorf StV 1991, 11, 12 [OLG Düsseldorf 10.05.1990 - 2 Ss 71/90 - 19/90 III]; jeweils m.w.N., sind nähere Angaben dazu, auf welchen Wiedererkennungsakt der Tatrichter seine Beweiswürdigung stützt, jedenfalls dann erforderlich, wenn es - wie hier - nach dem Inbegriff der sonstigen Feststellungen naheliegt, daß der Zeuge den Angekl. auch schon vor der Hauptverhandlung identifiziert haben könnte vgl. OLG Frankfurt StV 1988, 290, 291.


Fundstellen: StV 1994, 67

Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge